© Mittelland Zeitung; 15.03.2005
Fast vergessenes Hobby im Aufwind
Zurzach Am Sonntag hat im Gemeindezentrum Langwies die «Klöppelstubete»
stattgefunden.
Ob zum Ideenaustausch, zum Materialeinkauf oder zum ersten Schnuppern - an
der «Klöppelstubete» kam jeder auf seine Kosten.
Nachdem die Zeit vorbei war, als sich reiche Leute die Spitze meterweise
anfertigen liessen, schien das Köppeln in Vergessenheit zu geraten. Schon
fast vom Aussterben bedroht, wurde es als Hobby wiederentdeckt.
Doch zunächst war es schwierig, das Material zu beschaffen, das es nicht
in den üblichen Läden zu kaufen gab. Selbst die Klöppelbriefe -
aufgezeichnete Motive oder Muster, die als Vorlage unter die Klöppelarbeit
gelegt werden - waren selten geworden, erinnert sich Klöppellehrerin Ruth
Jucker an ihre Anfänge mit dem Klöppeln vor etwa 30 Jahren.
Grosse Auswahl an Literatur
Seither hat das Hobby jedoch wieder einen Aufschwung erlebt. Es gibt nicht
nur eine grosse Auswahl an Literatur, auch das Material ist nun einfacher
bei spezialisierten Händlern erhältlich. Längst werden auch nicht mehr nur
Zierdeckchen hergestellt, sondern Schlüsselanhänger, Taschen und
Wandmotive, Ostereier und Weihnachtsbaumkugeln sowie Krägen, ganzen Gilets
und Verzierungen für Kleider. Heutzutage wird nicht mehr nur in Weiss,
sondern in unzähligen Farben geklöppelt. Vom Material her wird meistens
mit Leinen, Seide oder Baumwolle gearbeitet, geübte Klöpplerinnen
probieren sich aber auch schon mal an Draht oder Haar.
Nicht nur für Frauen
«Selbst junge Leute und sogar der eine oder andere Mann können sich wieder
für die zeitintensive Spitzenherstellung begeistern», weiss Theres
Dietschi, Präsidentin des Klöppelvereins Zurzibiet, der die Stubete, den
zweitgrössten Anlass seiner Art in der Schweiz, regelmässig organisiert.
Zweimal pro Jahr, im Frühling und im Herbst, können hier Klöpplerinnen,
Klöppler und Interessierte Neues sehen, sich mit Material eindecken und
sich Inspiration für ihre Arbeiten holen.
«Viele treffen sich hier schon seit Jahren, unterhalten sich, haben aber
auch ihr Klöppelbrett dabei, vergleichen ihre Arbeiten und holen sich neue
Ideen. Dabei haben wir hier Besucher und Aussteller weit über die
Landesgrenzen hinaus.» Und tatsächlich kann man hie und da miterleben, wie
aus dem für den Laien scheinbaren Fadenchaos filigrane kunstvolle Motive
entstehen.
Aus vielen Fäden entstehen filigrane kunstvolle Motive. ZS
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